Vincent will meer: »Lieber gutes Fernsehen als schlechtes Kino«

Florian David Fitz, Jahrgang 1974, studierte Musik und Schauspiel in Boston. Im Fernsehen war er zum Beispiel in „Meine verrückte türkische Hochzeit“ und „Doctor’s Diary“ zu sehen. Im Kino sah man ihn in „Mädchen, Mädchen 2“ und zuletzt in „Männerherzen“. Für „Vincent will meer“ schrieb er das Buch und spielte die Hauptrolle.

Herr Fitz, wollen Sie dem Fernsehen untreu werden? Na ja, wer träumt nicht davon, mit guten Filmen im Kino Fuß zu fassen? Mir bleibt aber beides gleich wichtig. Ich entscheide mich nach der Güte der angebotenen Projekte und halte es mit Dominik Graf: lieber gutes Fernsehen als schlechtes Kino.
Und gutes Kino müssen sich Schauspieler heute selbst schreiben? Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte als Schauspieler vollkommen uneigennützig gehandelt, aber man geht ja einen langen Weg mit so einem Buch. Irgendwann habe ich keinen Gedanken mehr an die Zukunft vergeudet, ich war mit Schreiben ganz gut ausgelastet. Ich wusste ja nicht mal, ob der Film je gemacht wird.
Wie sind Sie auf das Tourette-Syndrom mit verschiedenen, auch verbalen Tics der Betroffenen gestoßen? Ich hatte schon früher Kontakt mit Tourette, aber letztlich über einen Fernsehbericht. Einer der Betroffenen strahlte einen ungeheuren inneren Frieden aus. Ich habe mich gefragt: Wie erreicht man diese Ruhe und Zufriedenheit, wenn einem der Körper ständig Knüppel zwischen die Beine schmeißt? Wie wird man unter diesen Bedingungen erwachsen und wie emanzipiert man sich von Eltern, die entweder besondere Zuneigung geben und nicht loslassen können oder mit der Krankheit nicht zurechtkommen? Vincent ist Ende 20 und kriegt alles vorgebacken. Auf der gemeinsamen Reise ans Meer muss er dann erstmals eigene Entscheidungen für sich treffen und Verantwortung für andere übernehmen. Damit war die Fallhöhe für die Story gegeben.
Warum haben Sie die Konstellation einer Reise gewählt? Ich wollte ein Roadmovie. Das scheint auf den ersten Blick nicht besonders originell, man denke an „Rain Man“ oder „Knockin’ on Heaven’s Door“. Und vielleicht ist es eine Anfängerkrankheit, aber für mich sind Roadmovies der perfekte Ausdruck für eine Sehnsucht, die mich auch ins Kino treibt.
War es für Sie immer klar, dass Sie Vincent auch spielen wollen? Besser vorbereitet war ich sicher noch nie! Aber es gab während der Vorbereitung und des Drehs Momente, in denen ich alles hinschmeißen und die Rolle abgeben wollte. Es gab so viele Möglichkeiten, sich in die Nesseln zu setzen. Zu dick aufzutragen – im Kino ist ja jede Regung gleich mal 8 mal 8 Meter groß – oder einfach unglaubwürdig zu sein; nur klamaukig oder noch schlimmer: total unlustig und humorlos. Regisseur Ralf Hüttner hatte das aber ziemlich gut im Blick. Wir haben oft einen Take mit mehr und einen mit weniger starken Tics gedreht, um später im Schneideraum den richtigen Ton finden zu können. Ich glaube, im Schnitt hatten sie dann ihre liebe Mühe, das alles wieder zusammenzukriegen.


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